Berufsbild einer Dorfhelferin - gelebte Diakonie

Dienst am Nächsten, Dienst am MenschenSimone Flohrer - Ehefrau, Mutter und Dorfhelferin
Über das Berufsbild der Dorfhelferin - ein Bericht von Simone Flohrer

 
Diakonie hat viele Gesichter, unzählig viele. Eines davon spiegelt sich auch in meinem Beruf wider, dem der Dorfhelferin. Zur Vertretung der erkrankten Bäuerin oder des Landwirts wurde 1958 das Berufsbild der evangelischen Dorfhelferin geschaffen.
 
Auch wenn wir hier in unserer Kirchengemeinde in der Metropolregion nicht mehr viel von dem selbstständigen Unternehmen des landwirtschaftlichen Betriebes mitbekommen, so gibt es ihn doch noch. So zum Beispiel den Familienbetrieb mit Viehhaltung, vielleicht mit Milchviehhaltung. Das Kleinunternehmen, welches sich auf Sonderkulturen spezialisiert hat. Den intensiven Gemüseanbau direkt vor unserer Haustür. Ausgedehnten Obstanbau in der Fränkischen Schweiz, oft kombiniert mit Pensionspferden, Schweinemast oder Milchviehhaltung. Oder die Biogasanlage, die aufgrund der vorhandenen Ackerfläche eine neue bzw. zusätzliche Einkommensquelle erschließen soll. – Ja, unsere Landwirte müssen heutzutage kreativ sein. Man (Frau) lässt sich vielleicht  zur Erlebnisbäuerin ausbilden, um den Kindern in Kindergärten und Schulen wie auch allen anderen Interessierten die Herkunft unserer Nahrungsmittel erlebbar näher zu bringen. 
 
All diesen heutigen Betrieben gingen meist mehrere Generationen voraus, doch das Bild der bäuerlichen Familie hat sich enorm gewandelt; der Überlebenskampf ist härter geworden. Und wenn dann ein Betriebsleiter oder eine Betriebsleiterin erkrankt, verunfallt oder stirbt, kommt die Dorfhelferin oder deren männliches Pendant, der Betriebshelfer, zum Einsatz. In Haus- und Landwirtschaft, in erzieherischen und psychologischen Bereichen sowie in der pflegerischen Grundversorgung sind sie sehr gut ausgebildet. Für mich fand diese Ausbildung zum Teil am Evang. Bildungszentrum auf dem Hesselberg statt. Hier ist die evangelische Kirche Arbeitgeber für ca. 40 Dorfhelferinnen. Ich bewundere den Auftrag, dem sich die ev. Kirche in den Nachkriegsjahren mit der Schaffung dieses Berufes stellte; zumal an diesem Ort, der mit einer „braunen“ Vergangenheit belastet war.
 
Neben der guten fachlichen Ausbildung sind Praxiserfahrung, Einsatzbereitschaft, Einfühlungsvermögen, charakterliche Stärke, Anpassungsfähigkeit und eine hohe Flexibilität Voraussetzung für diesen Beruf. Die Kostenübernahme erfolgt durch die Sozialversicherungsträger, dem EBZ Hesselberg und für mich durch das Diakonische Werk Erlangen. Die ausreichende Finanzierung ist inzwischen zum Problem geworden. 
 
Dorfhelferin ist ein sozial-diakonischer Beruf. Frauen – und Männer -, die ihn ausüben, besitzen eine große Leidenschaft für dieses breitgefächerte Berufsbild, mit viel Liebe zur bäuerlichen (Groß-)Familie und den Menschen. In Absprache wird versucht, der Familie und dem Betrieb die bestmögliche Hilfe zukommen zu lassen, um eine Notsituation zu überbrücken. Die Arbeitsschwerpunkte werden täglich neu und individuell auf die veränderte Situation abgestimmt. Bei ständig wechselnden Arbeitszeiten und Aufgabengebieten, häufig im Rahmen einer 7-Tage-Woche, ist es immer wieder eine Herausforderung, die Bedürfnisse jedes Einzelnen zu erkennen und ihnen gerecht zu werden. 
 
Ohne die Kraft, die ich durch meinen Glauben an Jesus Christus geschenkt bekomme, könnte ich mich diesen Aufgaben nicht stellen. An jedem letzten Einsatztag in einer Familie bringe ich dies zur Sprache. Ich überreiche der Familie ein kleines, buntes Holzkreuz aus El Salvador zur Erinnerung an die gemeinsame Zeit. Durch die bunten Farben des Kreuzes soll die Liebe und Stärke unseres Gottes sichtbar werden und in dieser Familie bleiben. Noch nie bin ich mit diesem Geschenk des Kreuzes, welches die Kirchengemeinde Großgründlach sponsert, auf Ablehnung gestoßen.
 
Dem Diakonieverein vor Ort wünsche ich viel Liebe zu den Menschen und gratuliere zum Jubiläum.
 
Simone Flohrer
 
Anfang 2013 wurde ich einige Tage lang von einem Kamerateam des ZDF in meinem beruflichen Alltag begleitet. Der Beitrag ist aktuell noch  in der ZDF-Mediathek, Suchbegriff: Dorfhelferin/Beitrag: Engel auf Zeit zu sehen.