Familienbildung in Großgründlach - Gedanken zum Thema

„Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“

In diese Richtung weist die Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie hat zu heftigen Debatten über das „christliche“ Familienbild geführt. Das eigentliche Anliegen ist dabei etwas aus dem Blick geraten: Wie können die christlichen Kirchen und Gemeinden diese gute Gemeinschaft stärken? Ich betrachte meine eigene Herkunftsfamilie vor 40 Jahren und heute. Und stelle ich fest: Statt rückwärtsblickend über den Wandel zu klagen, haben Gemeinden die Chance, vorausschauend zu handeln und etwas zu wagen. Denn sie haben das Zeug dazu.
 

Einen gemeinsamen Ort haben.

Meine Großfamilie habe ich als einen Ort erlebt, wo sich alle Generationen treffen. Wo die Alten Geschichten erzählen und die Kinder zuhören oder im Garten toben. Wo die Eltern Arbeitsplatzerfahrungen, politische Meinungen und Erziehungstipps austauschen und alle gemeinsam feiern. Heute ist das schwierig geworden. Aus meiner Generation leben alle über ganz Deutschland verstreut. Notgedrungen. Ich stelle mir vor, dass in Zukunft eine Gemeinde und ihr Haus so ein gemeinsamer Ort für Familien sein kann.
 

Ein tragfähiges Netz knüpfen.

Ich bin in einem Handwerkshaushalt groß geworden. Die Großeltern haben uns mit großgezogen. Wie vorher schon meine Urgroßeltern meine Eltern. Und unsere Eltern dann für ihre Enkel da waren. Was aber, wenn berufsbedingt zwischen den Familien mehrere hundert Kilometer Abstand entstehen? Wir haben auch das erprobt. Ich stelle mir vor, dass in Zukunft die Großelterngeneration in der Gemeinde sich freuen könnte über ihre Gemeinde-„Enkel“-Kinder am Ort und für sie da ist.

 

Miteinander die Seele entdecken.

Die alten Abendlieder der Urgroßmutter haben sich eingegraben in meine Seele. Ich fühlte ich mich durch diese oft fremdartigen Worte geheimnisvoll getragen von dem Vertrauen vieler Generationen vor mir. Lieder und Geschichten sind Nahrung für die Seele. Und viele kleine Rituale im Jahr: die Taufkerze anzünden, in die Kirche zum Gottesdienst gehen, abends vor dem Schlafengehen ein Gebet sprechen. Lieder, Geschichten und Rituale geben Halt und machen stark in Krisenzeiten. Sie sind ein großer Schatz. Als Ältere, Eltern und Kinder heben und pflegen wir ihn gemeinsam.

 

Kirchengemeinde eine große Familie?

Nicht ganz. Und irgendwie doch. Im Alten Testament wird die Geschichte Israels als eine Familiengeschichte erzählt. Verschiedene Volksgruppen werden als Geschwister beschrieben, die gemeinsam mit ihren Nachkommen ein Land bewohnen, bebauen und gestalten. Durchaus von Krisen geschüttelt, in Gelingen und Scheitern, aber immer von Gott begleitet. Das gilt heute auch. Keine Generation lebt für sich allein. Einen guten Weg in die Zukunft gibt es nur gemeinsam.

 

Ihre Pfarrerin
Silvia Henzler

 

Gemeindegruß Nr. 246