Großgründlach

Großgründlach heute

 
Großgründlach liegt im Zentrum des Städtedreicks Nürnberg-Fürth-Erlangen und damit im Norden des Knoblauchslandes. 1972 wurde die bis dahin dem Landkreis Fürth zugehörige (politische) Gemeinde zusammen mit Kleingründlach und Reutles der nördlichste Stadtteil Nürnbergs. Die evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Großgründlach, zu der die Orte Reutles und Kleingründlach (Stadt Nürnberg) sowie Herboldshof und Steinach (Stadt Fürth) gehören, ist dem Dekanat Erlangen zugeordnet und die südlichste Gemeinde des Dekanats. Noch heute orientieren sich die Gründlacher teils nach Fürth, teils nach Erlangen und teils nach Nürnberg, legen aber vor allem Wert auf die Eigenständigkeit ihrer Gemeinschaft. Von den 4.900 Einwohnern sind 2.500 Mitglied der evangelisch-Lutherischen Gemeinde Großgründlach.

 
Großgründlacher Hauptstraße mit St. Laurentius (Quelle: Privat)

 

Aus der Geschichte Großgründlachs


1021 wurde Gründlach als einer von 4 Grenzorten einer Schenkung Kaiser Heinrichs II an sein neugegründetes Bistum Bamberg das erstemal erwähnt. Es ist somit der älteste Stadtteil Nürnbergs.

Gute 100 Jahre hört man nichts mehr von Großgründlach bis 1140 ein Reichsministeriale von Gründlach auftaucht. Von den hier in der Gegend zuständigen Beamten entwickelten sich die Gründlacher im Laufe der Zeit zu den Bedeutendsten. Mitte bis Ende des 13. Jahrhunderts bauten sie sich eine geräumige Burg an der höchsten Stelle des Ortes. Die Burgkapelle wurde später zur Dorfkirche vergrößert und der Turm als überragender Abschluss der Dorfstraße platziert. In der Tradition großer Dynastien gründeten die Gründlacher um 1270 ein Dominikanerinnenkloster in Frauenaurach. Mit Leupold stellten sie von 1296 bis 1303 den Bischof in Bamberg. Im Mannestamm starb die Familie 1316 aus. Die Erbtochter Margarethe, die mit Gottfried von Hohenlohe-Brauneck vermählt war, verkaufte den gesamten Grundbesitz, der hauptsächlich in der Erlanger Gegend lag. So kam der Ort 1326 an Burggraf Friedrich II von Nürnberg aus der Familie der Hohenzollern.

Er hatte wahrscheinlich weitreichende Pläne mit Gründlach, da er sich 1328 von Kaiser Ludwig dem Bayern die Stadtrechte für das Dorf verleihen ließ. Sein früher Tod und die anderweitigen Interessen seiner Söhne stoppten die Entwicklung des Ortes. Bei den Auseinandersetzung um das Erbe der Andechs-Meranier gelangte Gründlach 1343 in den Besitz der jung verwitweten Gräfin Kunigunde von Orlamünde.

Sie ist die berühmt-berüchtigte „Weiße Frau“ der Hohenzollern. Kunigunde gründete 1343 das Zisterzienserinnenkloster Himmelthron, in das sie auch selbst eintrat. Zuerst im neuerrichteten Heilig-Geist-Spital in Nürnberg untergebracht, kam es doch immer wieder zu Streitigkeiten mit dem Spitalgründer Konrad Groß und so verlegte man nach 5 Jahren das Kloster in die leerstehende Burg in Gründlach. Es scheinen Baumaßnahmen begonnen worden zu sein, um in der Kirche eine Seitenkapelle zu errichten, die aber nie zu Ende gebracht wurden. Da Frauenklöster hauptsächlich dazu dienten Töchter aufzunehmen, die man nicht verheiraten konnte, war die Moral im Kloster nicht die Beste. Himmelthron war das letzte in Deutschland gegründete Zisterzienserinnenkloster und das erste das sich nach der Reformation 1525 auflöste. Die letzten 4 Nonnen übergaben den Besitz der Reichsstadt Nürnberg, „da sie das Klosterleben für schädlich hielten“, gegen Gewährung einer lebenslangen Rente.

1552 im 2. Markgrafenkrieg wurden die Kirche, Burg und Teile des Dorfes in Schutt und Asche gelegt. Die Höfe und die Kirche wurden schnell wiederaufgebaut, aber um die im Vorfeld der Stadt gelegene Burg zu renovieren, fehlten der Stadt die nötigen Mittel. Nach langer Suche fand man 1572 in Philipp Geuder von Heroldsberg einen Käufer, der den schnellen Wiederaufbau zusicherte. Bald erstrahlte die Burg mit dem Turm an der Südostecke und den 3 Eckern wieder in neuem Glanz. Da seine Ehe mit Katharina Welser kinderlos blieb, vererbte die Witwe nach ihrem Tod 1616 den Besitz ihrem Neffen Carl Pfinzing von Henfenfeld. Das passte den andern Verwandten aus der Familie Welser überhaupt nicht, da ihnen Gründlach vertraglich zugesagt war. Sie prozessierten von 1616 bis 1661 mit den neuen Eigentümern, die nicht sehr viel Freude an dem Vermögenszuwachs hatte. Einen Tag vor Weihnachten 1621 trug der Mesner glühende Kohlen in den Kirchturm um das eingefrorenen Uhrwerk aufzutauen. Da er dabei ziemlich nachlässig war, brannte der Turm ab. Er wurde sofort verhaftet und nach eingehender Untersuchung wegen Diebstahls, Zauberei und Leichenschändung „aus großer Gnade“ zuerst geköpft und dann verbrannt. Erst 1626 wurde der Turm in imposanter Form erneuert. Das Mauerwerk zierte ein 30m hoher, mit bemaltem Schiefer gedeckter Spitzhelm, so dass der 60m hohe Turm (heute ca. 45m) schon von weither zu sehen war. Aber bereits 8 Jahre später am 7. 8. 1634 zündeten kaiserliche Truppen, denen ihrer Meinung nach eine Brandsteuer zu spät bezahlt worden war, die Burg und die mit ihr zusammengebaute Kirche an. Auch das Dorf stand in hellen Flammen. Von etwa 70 Anwesen waren nur noch 17 bewohnbar. Die Einwohnerzahl war von ca 400 auf etwa 100 gesunken. In Reutles stand noch ein Haus und Kleingründlach war sogar 20 Jahre vollkommen öd.

Auf die wiederholten Aufforderungen des Gutsherrn nach Beendigung des Krieges 1648 für den Aufbau der Schule und der Kirche zu sorgen, reagierten die Gründlacher störrisch. Auch die Verhaftung der Bürgermeister änderte ihre Haltung nicht. Im Gegenzug provozierten die Gründlacher Carl Pfinzing mit einer Klage vor Kaiser Ferdinand III. Pfinzing tobte und drohte mit härtesten Gefängnisstrafen. Da sie einen Schutzbrief des Kaisers erwirken konnten weigerten sich die Ortsbewohner standhaft einen Beitrag zum Aufbau der Kirche zu leisten. Carl Pfinzing zahlte natürlich auch nicht und so blieb die Kirche 47 Jahre als Ruine stehen. Erst nachdem die härtesten Dickschädel gestorben waren, teilten sich Kirchengemeinde und Schloßherr die Kosten. So wurde auf dem Turm die markante „welsche Haube“ errichtet und die Kirche im Oktober 1681 wieder eingeweiht. Auch in der Ruine der Burg begannen jetzt die Aufräumarbeiten und bis zum Ende des Jahrhunderts hatte sich die mittelalterliche Burg in ein modernes Barockschloß verwandelt.

1739 starb der Gründlacher Zweig der Pfinzing mit Christoph Carl aus, dem seine Vettern ein mit seiner Büste geziertes Denkmal in die Kirche setzen ließen. Aber schon 25 Jahre später endete mit Johann Sigmund das seit 500 Jahren in Nürnberg ansässige Geschlecht der Pfinzing von Henfenfeld. In die Großgründlacher und Henfenfelder Kirchen ließ ihm seine Witwe monumentale Grabmäler setzen, die ihresgleichen in den Nürnberger Kirchen suchen.

Den Gesamtbesitz der Pfinzing erbten die beiden Schwager Johann Georg und Johann Sigmund Haller von Hallerstein. Neben seinen vielen Ämtern im höchsten Regierungszirkel der Reichssstadt übernahm Johann Sigmund die Verwaltung des Besitzes. Er ließ viele Verschönerungen im Inneren des Schlosses vornehmen, auch die Anpflanzung der heute noch bestehenden Kastanienallee in der Hauptstraße und der Lindenallee nach Reutles, die leider 1848 gefällt wurde, waren sein Werk. 1796 wohnte der kaiserliche Feldmarschall Prinz Friedrich von Nassau im Schloß mit dem Haller, er war inzwischen vorderster Losunger und Reichsschultheiß, über die Rettung der Reichskleinodien vor dem unaufhaltsam vordringenden Napoleon verhandelte. Der Kammerdiener des Prinzen nutzte die Rast um hier zu heiraten. Im Januar 1805 verstarb Johann Sigmund Haller hochbetagt und seine Söhne ließen ihn bis Pfingsten ein klassizistisches Monument auf der Herrenwiese setzen, in dem sein einbalsamiertes Herz ruht.

Mit der Revolution 1848 hörte die Adelsherrschaft, die auch die niedere Gerichtsbarkeit umfasste, auf. Gründlach wurde dem Rezatkreis Erlangen einverleibt. Diese Verbindung wurde 1862 wieder getrennt und Gründlach wurde den Fürther Behörden unterstellt. Das blieb auch bis zur Gebietsreform 1972 so. Einzig die kirchliche Zugehörigkeit zum Dekanat Erlangen ist bis heute gültig. Das Dorf war auch inzwischen kräftig gewachsen. Ursprünglich gab es in Gründlach 77 Häuser, 18 in Reutles, von denen etliche mit den typisch Knoblauchsländer Sandsteingiebeln verziert waren, und 7 in Kleingründlach, das seit 1912 nach Großgründlach eingemeindet ist. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren es 100 Hausnummern im Dorf. Die Bevölkerung war von ca. 650 auf etwa 850 gestiegen, die sich bis 1940 auf ca. 1000 erhöhte. 1895 errichtete man in Kleingründlach endlich die lange ersehnte Bahnstation. 1930 wurde nach vielen Querelen ein Kindergarten für 70 Kinder eröffnet. Der 2. Weltkrieg verschonte das Dorf nicht, Reutles wurde besonders schwer heimgesucht. Es waren 12 Opfer zu beklagen, die in einem Ehrengrab beigesetzt wurden. Dazu wurde ein Teil des Schloßparks enteignet, der als Vergrößerung des Friedhofs schon lange von der Gemeinde ins Auge gefaßt wurde. Seit 50 Jahren hat die Bautätigkeit nicht mehr nachgelassen, immer neue Baugebiete werden ausgewiesen und so beträgt die Einwohnerzahl nun etwa 5500. 1972 nach Nürnberg eingemeindet, wandelt sich das Dorf zum Vorort.

 

Literatur:

Volkert, P. K. Johannes: Altes und Neues von Gründlach, Nürnberg 1881

von Kreß, Georg: Gründlach und seine Besitzer, Nürnberg 1889

von Haller, Helmut: Schloß und Dorf Großgründlach, Nürnberg 1965, Sonderdruck der Altnürnberger Landschaft

von Haller, Bertold: St. Laurentius in Großgründlach, Geschichte eines Kulturdenkmals im Knoblauchsland, Nürnberg 1990

Vorstadtverein Alt-Gründlach: Geschichte(n) aus Großgründlach, Großgründlach 1997

 


Großgründlach in Zahlen

1021 erste Erwähnung des Ortes in einer Schenkungsurkunde Kaiser Heinrich II.
1140 erstes Auftreten der Reichsministerialen von Gründlach.
um 1250 Bau der Burg. Verlängerung der Hauptstraße, Neuanlage der Volkacherstraße.
1303 erste Nennung eines Pfarrers in Großgründlach namens Eberhard.
1314/15 Aussterben der Reichsministerialen von Gründlach.
1326 Verkauf des Ortes mit „Burg, Markt und Kirche“ an Burggraf Friedrich II von Nürnberg.
1328 Erwirkung des Stadtrechts, einschließlich Halsgerichtsbarkeit.
1343 Verkauf an Kunigunde von Orlamünde, Gründung des Zistersienserinnenkloster Himmelthron.
1348 Umzug des Klosters vom Heilig-Geist-Spital in die Gründlacher Burg.
1352 wurde für die erste äbtissin Adelheid ein heute noch erhaltener Grabstein angefertigt.
1359 Kunigunde von Orlamünde wird endlich äbtissin, sie bleibt es bis zu ihrem Ableben 1382.
1378 Aufgabe des Stadtrechts, unterstellung unter den Rat der Stadt Nürnberg.
1525 Auflösung des Klosters, Gründlach wird dem gemeinen Almosen zugeordnet.
1552 werden Burg, Kirche und Dorf im 2. Markgrafenkrieg von den Truppen Markgraf Albrecht Alkibiades zerstört und die Kirchenglocken geraubt.
1572 Verkauf des Ortes an Philipp Geuder von Heroldsberg. Erneuerung der Burganlage.
1581 stirbt Philipp Geuder, seine Witwe Katharina geb. Welser übernimmt die Herrschaft.
1608 entläßt Katharina Geuder den Pfarrer Johann Ernst, weil dieser von der Kanzel das lockere Leben des ausgesuchten Erben Hans Welser anprangert, der seiner Tante auf der Tasche liegt.
1616 erbt Carl Pfinzing von Henfenfeld von seiner Tante Katharina Geuder Großgründlach
1621 am 23 Dez. brennt der Kirchturm ab. Der Mesner Sixtus Kühn wird verhaftet und 1622 wegen Diebstahls, Zauberei und Leichenschändung hingerichtet.
1626 Fertigstellung der sich 3 Jahre lang hinziehenden Bauarbeiten am Kirchturm.
1634 Am 7. 8. brennt das gesamte Dorf, einschließlich Burg und Kirche ab. Ebenso Reutles, Klein- gründlach, Herboldshof und Steinach
1674 - 81 Erneuerung der Kirche.
um 1695 Umbau der mittelalterlichen Burg zum Barockschloß, 1723 wird der Innenausbau vollendet.
1719 Innenrenovierung der Kirche, Einbau einer 2. Empore, da die Gemeinde gewachsen war.
1739 stirbt mit Christoph Carl Pfinzing die Gründlacher Linie aus. Ihm wird ein Denkmal gesetzt.
1753 Neubau des Schulhauses, mit seinem Mansarddach passt es sich dem Schloß an.
1764 endet das Leben des letzten Pfinzing, Johann Sigmund. Ihm werden in Henfenfeld und Großgründlach monumentale Grabmäler gesetzt, die in Nürnberg einmalig sind. Einrichtung von 3 Armenstiftungen
1766 Johann Sigmund und Johann Georg Haller von Hallerstein treten das Erbe an.
1776/83 prunkvolle Rokokoaustattung des Schloßes.
1791 Stiftung des Kronleuchters in die Kirche aus Dankbarkeit wegen der Geburt des 1. Kindes.
1805 stirbt Joh. Sigmund von Haller, dessen Herz im klassizistischen Monument auf der Herrenwiese beigesetzt wird, da Gründlach sein Lieblingssitz war.
1810 Großgründlach wird bayrisch, nachdem es seit 1793 unter preußischer, französischer, österreichi- scher und wieder napoleonischer Herschaft war.
1814 Umpfarrung Herboldshofs von Fürth. Ihnen war der Weg zum neuen Friedhof um die Auferstehungskirche zu weit.
1817 Innenrenovierung der Kirche bei der der größte Teil der Barockausstattung entfernt wird. Aufstockung des Schulhauses, jetzt Verwaltungsamt Nord, es erhielt seine heutige Gestalt.
1848 Als Zeichen der Revolution wird die Lindenallee nach Reutles gefällt. Die Königsmühle wird auf eigenem Wunsch nach Eltersdorf gepfarrt.
1864 Steinach wird nach Großgründlach gepfarrt.
1895 Einrichtung eines Haltepunktes in Kleingründlach an der Eisenbahnstrecke Nürnberg-Bamberg.
1918 Abnahme der mittleren Glocke zur Metallsammlung, bei der ein Mensch ums Leben kam.
1930 Bau einer Kinderschule nach jahrelangen Streitigkeiten
1943 Bombenangriff auf Gründlach und Reutles. Reutles liegt in Schutt und Asche, in Gründlach sterben 12 Menschen. Sie werden in einem Ehrengrab im enteigneten Schloßgarten beigesetzt.
ca 1950 Beginn der Bautätigkeit in Großgründlach, Ansiedlung von Flüchtlingen.
1972 Gebietsreform, bei der Großgründlach gegen den Willen der Einwohner nach Nürnberg eingemeindet wird. An diesem Tag wird um 12 Uhr Trauer geläutet.